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Fachbereich 03

Allgemeines Zivilrecht

Wer schuldet wem was — und wer kann es beweisen? Die zweite Frage entscheidet häufiger als die erste.

Das Zivilrecht ist der breiteste Bereich unserer Arbeit. Vom Kaufvertrag über den Handwerkerstreit bis zur Haftung nach einem Unfall lässt sich fast jeder Fall auf zwei Fragen zurückführen: Besteht der Anspruch? Und wer trägt die Beweislast?

Ein Anspruch, den man nicht beweisen kann, ist praktisch keiner. Deshalb beginnt unsere Arbeit fast immer mit den Unterlagen: Was ist schriftlich vereinbart, was ist dokumentiert, wer war dabei.

Mängel und Gewährleistung

Beim Kaufvertrag hat der Käufer bei einem Sachmangel zunächst Anspruch auf Nacherfüllung — Reparatur oder Neulieferung, in aller Regel nach seiner Wahl. Erst wenn diese scheitert, verweigert wird oder unzumutbar ist, kommen Rücktritt, Minderung oder Schadensersatz in Betracht.

Die Reihenfolge ist entscheidend. Wer sie überspringt und sofort zurücktritt, verliert oft aus formalen Gründen — obwohl der Mangel unstreitig war.

Die Gewährleistungsfrist beträgt bei beweglichen Sachen im Regelfall zwei Jahre, bei Bauwerken fünf. Kauft ein Verbraucher von einem Unternehmer, wird zugunsten des Käufers vermutet, dass ein innerhalb des ersten Jahres auftretender Mangel schon bei Übergabe vorlag — eine erhebliche Erleichterung, die viele nicht kennen und deshalb nicht nutzen.

Werkverträge und Handwerker

Beim Werkvertrag dreht sich fast alles um die Abnahme. Mit ihr wird die Vergütung fällig, die Beweislast kehrt sich um, und die Gewährleistungsfrist beginnt. Eine Abnahme kann auch stillschweigend erfolgen — etwa durch vorbehaltlose Nutzung. Wer Mängel hat, sollte sie deshalb vor der Abnahme schriftlich festhalten, nicht danach.

Bei Streit über die Werkleistung ist ein selbstständiges Beweisverfahren oft der wirtschaftlichere Weg als eine sofortige Klage: Ein gerichtlich bestellter Sachverständiger stellt den Zustand fest, bevor er sich verändert. Häufig endet der Streit danach ohne Prozess.

Schadensersatz und Haftung

Wer Schadensersatz verlangt, muss Pflichtverletzung, Schaden, Ursächlichkeit und regelmäßig auch Verschulden darlegen. In der Praxis scheitert es selten am Recht und häufig an der Dokumentation. Fotos, Zeugen, zeitnahe schriftliche Rügen — was in den ersten Tagen gesichert wird, entscheidet Monate später den Prozess.

Verjährung

Die regelmäßige Verjährungsfrist beträgt drei Jahre. Sie beginnt aber erst mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und Sie von den Umständen Kenntnis erlangt haben. Das führt dazu, dass zum Jahreswechsel ganze Anspruchsjahrgänge auf einmal verjähren.

Wenn Sie einen offenen Anspruch aus dem Jahr X haben, ist der Dezember des Jahres X+3 kein guter Zeitpunkt für den ersten Anruf.

AGB und Vertragsgestaltung

Der günstigste Prozess ist der, den man nicht führt. Wir prüfen und gestalten Verträge und Allgemeine Geschäftsbedingungen so, dass sie im Streitfall halten — was mehr Arbeit ist, als eine Vorlage aus dem Netz zu übernehmen. Unwirksame Klauseln fallen ersatzlos weg, und dann gilt das Gesetz. Das ist fast nie das, was der Verwender wollte.

Kosten

Vergütung nach RVG aus dem Gegenstandswert oder nach Honorarvereinbarung. Bei niedrigen Streitwerten sagen wir Ihnen offen, wenn ein Verfahren wirtschaftlich keinen Sinn ergibt. Rechtsschutzversicherungen decken den Bereich häufig ab.

Häufige Fragen

Wie lange habe ich Gewährleistungsrechte?

Beim Kauf beweglicher Sachen im Regelfall zwei Jahre ab Übergabe (§ 438 Abs. 1 Nr. 3 BGB), bei Bauwerken und bei Baustoffen, die in ein Bauwerk eingebaut wurden und dessen Mangel verursacht haben, fünf Jahre (§ 438 Abs. 1 Nr. 2 BGB). Beim Werkvertrag beginnen die Fristen für Sachen und Bauwerke mit der Abnahme (§ 634a Abs. 1 Nr. 1 und 2, Abs. 2 BGB); im Übrigen gilt die regelmäßige Verjährung.

Darf ich bei einem Mangel sofort vom Kauf zurücktreten?

In der Regel nicht. Der Verkäufer muss zunächst Gelegenheit zur Nacherfüllung erhalten — Reparatur oder Ersatzlieferung (§ 439 BGB). Erst wenn diese scheitert, verweigert wird, unzumutbar ist oder eine angemessene Frist erfolglos abläuft, kommen Rücktritt, Minderung oder Schadensersatz in Betracht (§§ 323, 440 BGB). Beim Kauf eines Verbrauchers von einem Unternehmer genügt es, den Mangel mitzuteilen und eine angemessene Zeit abzuwarten (§ 475d BGB).

Wer muss beweisen, dass der Mangel schon beim Kauf vorhanden war?

Grundsätzlich der Käufer. Kauft ein Verbraucher von einem Unternehmer, wird jedoch vermutet, dass ein Mangel, der sich innerhalb eines Jahres nach Übergabe zeigt, bereits bei Übergabe vorlag (§ 477 Abs. 1 BGB). Bei lebenden Tieren gilt diese Vermutung nur für sechs Monate.

Kann beim Kauf von privat die Gewährleistung ausgeschlossen werden?

Ja, zwischen Privatleuten ist ein Gewährleistungsausschluss grundsätzlich wirksam. Er gilt aber nicht, wenn der Verkäufer einen Mangel arglistig verschwiegen oder eine Garantie übernommen hat (§ 444 BGB).

Wann verjähren zivilrechtliche Ansprüche?

Die regelmäßige Verjährungsfrist beträgt drei Jahre (§ 195 BGB). Sie beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger von den maßgeblichen Umständen Kenntnis erlangt hat oder ohne grobe Fahrlässigkeit hätte erlangen müssen (§ 199 Abs. 1 BGB). Deshalb verjähren viele Ansprüche gesammelt zum 31. Dezember.

Stand der Antworten: Oktober 2026. Die Antworten geben die gesetzliche Grundregel wieder; im Einzelfall kann es Abweichungen geben.

Dieser Text gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Welche Regeln in Ihrer Sache gelten, hängt von Umständen ab, die sich erst im Gespräch klären lassen.