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Strafrecht & Ordnungswidrigkeiten

Ein Vorwurf ist noch kein Urteil. Entscheidend ist, was in den ersten Tagen geschieht — und was besser nicht gesagt wird.

Schweigen. Und anrufen. Wenn Sie eine Vorladung erhalten, Besuch von der Polizei bekommen oder erfahren, dass gegen Sie ermittelt wird, gibt es genau eine richtige erste Reaktion: keine Angaben zur Sache — und einen Anruf hier.

Sie sind nicht verpflichtet, sich zu äußern. Das Schweigen darf nicht zu Ihren Lasten gewertet werden. Eine Aussage dagegen kann Ihnen dauerhaft schaden, auch wenn Sie sie in bester Absicht machen. Der verbreitetste Fehler ist nicht die Lüge, sondern der Versuch, die Sache am Küchentisch aufzuklären. Was dort gesagt wird, steht später in der Akte.

Warum die Akte am Anfang steht

Verteidigung ohne Aktenkenntnis ist Raten. Als Verteidiger haben wir Anspruch auf Akteneinsicht — Sie selbst haben ihn in diesem Umfang nicht. Erst wenn wir wissen, was der Ermittlungsbehörde tatsächlich vorliegt, lässt sich entscheiden, ob eine Einlassung sinnvoll ist, ob Sie schweigend besser aufgehoben sind, und wo der Fall angreifbar ist.

Deshalb ist die frühe Mandatierung im Strafrecht wichtiger als in jedem anderen Rechtsgebiet. Das Ermittlungsverfahren ist die Phase, in der ein Verfahren noch geräuschlos enden kann. Ist erst angeklagt, ist dieser Weg meist verbaut.

Einstellung statt Urteil

Nicht jedes Verfahren muss vor Gericht entschieden werden. Bei geringer Schuld kommt eine Einstellung in Betracht — ohne Auflage oder gegen eine Geldauflage. Beides bedeutet: keine Verurteilung, kein Eintrag im Führungszeugnis.

Das ist in vielen Fällen das beste erreichbare Ergebnis, und es ist oft erreichbar. Es setzt allerdings voraus, dass jemand es rechtzeitig und mit der richtigen Begründung anregt.

Strafbefehl — zwei Wochen

Ein Strafbefehl kommt per Post und wirkt harmlos. Er ist es nicht: Wird nicht innerhalb von zwei Wochen Einspruch eingelegt, steht er einem rechtskräftigen Urteil gleich — mit allen Folgen für Führungszeugnis, Beamtenverhältnis, Gewerbeerlaubnis oder Aufenthaltstitel.

Wer einen Strafbefehl erhält, hat zwei Wochen. Danach nicht mehr.

Wirtschafts- und Vermögensdelikte

Bei Vorwürfen wie Untreue, Betrug oder Insolvenzverschleppung geht es selten um bestrittene Tatsachen und fast immer um deren rechtliche Bewertung — und um Zahlen. Solche Verfahren sind unterlagenintensiv und dauern lange.

Sie berühren regelmäßig auch die berufliche Existenz, weit über das Strafverfahren hinaus. Wir behalten diese Nebenfolgen von Anfang an im Blick, weil sie für die meisten Mandanten schwerer wiegen als die Strafe selbst.

Verkehrsstrafrecht und Bußgeld

Bei Trunkenheitsfahrten, Unfallflucht oder Nötigung im Straßenverkehr steht meist die Fahrerlaubnis im Mittelpunkt — für viele beruflich existenziell. Hier lohnt der genaue Blick auf Messverfahren, Rechtsbelehrungen und Verfahrensabläufe.

Auch im Bußgeldverfahren gilt eine Zwei-Wochen-Frist für den Einspruch. Messgeräte, Beschilderung, Fahreridentifizierung, Verjährung — es gibt mehr Ansatzpunkte, als der Anhörungsbogen vermuten lässt. Bei drohendem Fahrverbot lohnt sich die Prüfung fast immer.

Kosten

Im Strafrecht rechnen wir in aller Regel auf Grundlage einer Honorarvereinbarung ab, weil die gesetzlichen Gebühren dem tatsächlichen Aufwand einer sorgfältigen Verteidigung selten entsprechen. Was auf Sie zukommt, besprechen wir vor Mandatsübernahme.

Eine Straf-Rechtsschutzversicherung greift bei Vorsatzvorwürfen häufig erst rückwirkend nach Freispruch — wir sehen in Ihre Police, bevor Sie damit rechnen.

Häufige Fragen

Muss ich zu einer Vorladung der Polizei erscheinen?

Als Beschuldigte oder Beschuldigter nicht. Eine Pflicht zum Erscheinen besteht nur bei einer Ladung durch die Staatsanwaltschaft (§ 163a Abs. 3 Satz 1 StPO) oder durch das Gericht (§ 133 StPO). Zeugen müssen einer polizeilichen Ladung folgen, wenn sie im Auftrag der Staatsanwaltschaft erfolgt (§ 163 Abs. 3 StPO). In beiden Fällen ist es sinnvoll, vorher anwaltlichen Rat einzuholen.

Muss ich als Beschuldigter etwas zur Sache sagen?

Nein. Beschuldigte haben das Recht, zu schweigen (§ 136 Abs. 1 Satz 2 StPO), und dieses Schweigen darf nicht zu ihrem Nachteil gewertet werden. Angaben zur Person — Name, Anschrift, Geburtsdatum — sind dagegen zu machen.

Wie lange habe ich Zeit, gegen einen Strafbefehl vorzugehen?

Zwei Wochen ab Zustellung (§ 410 Abs. 1 StPO). Wird kein Einspruch eingelegt, steht der Strafbefehl einem rechtskräftigen Urteil gleich (§ 410 Abs. 3 StPO).

Welche Frist gilt für den Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid?

Ebenfalls zwei Wochen ab Zustellung (§ 67 Abs. 1 OWiG). Der Einspruch ist schriftlich oder zur Niederschrift bei der Behörde einzulegen, die den Bescheid erlassen hat.

Kann ein Strafverfahren ohne Urteil enden?

Ja. Die Staatsanwaltschaft stellt ein, wenn der Tatverdacht nicht ausreicht (§ 170 Abs. 2 StPO). Bei geringer Schuld ist eine Einstellung ohne Auflage möglich (§ 153 StPO). Steht die Schwere der Schuld nicht entgegen, kommt mit Zustimmung des Beschuldigten eine Einstellung gegen eine Auflage wie eine Geldzahlung in Betracht (§ 153a StPO). In diesen Fällen gibt es keine Verurteilung und keinen Eintrag ins Führungszeugnis.

Wer erhält Einsicht in die Ermittlungsakte?

Das Akteneinsichtsrecht steht in erster Linie der Verteidigung zu (§ 147 Abs. 1 StPO); vor Abschluss der Ermittlungen kann es beschränkt werden, wenn sonst der Untersuchungszweck gefährdet wäre (§ 147 Abs. 2 StPO). Beschuldigte ohne Verteidiger können Einsicht nur erhalten, soweit der Untersuchungszweck — auch in einem anderen Strafverfahren — nicht gefährdet werden kann und überwiegende schutzwürdige Interessen Dritter nicht entgegenstehen (§ 147 Abs. 4 StPO). Deshalb steht die Akteneinsicht am Anfang jeder Verteidigung.

Stand der Antworten: Oktober 2026. Die Antworten geben die gesetzliche Grundregel wieder; im Einzelfall kann es Abweichungen geben.

Dieser Text gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Welche Regeln in Ihrer Sache gelten, hängt von Umständen ab, die sich erst im Gespräch klären lassen.